Deutsche Nationalstiftung ehrt Axel Springer – Otto Schily: „Wir sind ihm zum Dank verpflichtet“




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Deutsche Nationalstiftung ehrt Axel Springer – Otto Schily: „Wir sind ihm zum Dank verpflichtet“

Otto Schily, Michael Naumann, Knut Teske, Peter Tamm, Patrick Adenauer und Stefan Wolle (v.l.) auf dem Podium
„Wie sehen wir Axel Springer heute?“ – das war das Thema einer Diskussionsveranstaltung am Mittwoch, den 6.Juni 2012, in der Berliner Ullstein-Halle. Die Deutsche Nationalstiftung hatte zu dem Abend „Axel Springer – ein patriotischer Unternehmer“ eingeladen, um den Journalisten, Unternehmer und Freiheitskämpfer im Rahmen seines 100. Geburtstages zu ehren – gekommen waren hochkarätige Gäste wie Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker, der ehemalige Bundesinnenminister Otto Schily und Peter Tamm, langjähriger Wegbegleiter von Axel Springer und früherer Vorstandsvorsitzender des Unternehmens.

„Sein 100. Geburtstag ist für uns als Unternehmen ein sehr wichtiges Ereignis“, begrüßte Giuseppe Vita, Aufsichtsratsvorsitzender von Axel Springer, die etwa 500 Gäste im Berliner Axel-Springer-Haus. Mit verschiedenen Zitaten stimmte er auf den Abend ein und hob vorallem Axel Springers Engagement für Israel hervor: „Zu sehen, dass die Brücken, die er mitgebaut hatte, betreten wurden, hat ihn glücklich gemacht.“

Als Ehrensenator der Deutschen Nationalstiftung hielt Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker die Einleitung der Veranstaltung: „Uns ging es darum, dieser starken Person, die es sich und uns oft nicht leicht gemacht hat, aus Anlass seines 100. Geburtstages, Respekt zu zollen. Er war wahrhaftig ein Patriot. Wir sind hier, um ihm zu danken.“

Von einer spannenden Begegnung konnte Otto Schily berichten – im März 1970 war er Axel Springer vor Gericht begegnet. Und so ging Schily in seiner Rede ausführlich auf die, wie er es bezeichnete, „ominöse 68er-Zeit“ ein und die Auseinandersetzung zwischen Studenten und den Zeitungen von Axel Springer. „Beide Seiten hatten keine Ahnung voneinander“, stellte der gelernte Jurist fest – dabei betonte er aber, wie sehr die 68er-Generation das Land verändert habe und zum „Abstreifen des deutschen Untertanen-Geist“ beigetragen habe.

Axel Springer dankte er für seine Bemühungen um die Aussöhnung mit dem jüdischen Volk: „Er hat sich nicht nur für sein zweites Vaterland Israel, sondern auch für sein erstes Vaterland Deutschland Verdient gemacht. Er hat nach dem Krieg entscheidend dazu beigetragen, dass Deutschland als demokratisches Land anerkannt wird.“ Auch Springers Einsatz für die deutsche Einheit hob er hervor: „Niemand wird heute ernsthaft bezweifeln, dass Axel Springer einen bedeutenden Anteil an der Wiedervereinigung hatte. Wir sind ihm zum Dank verpflichtet.“

Rund 500 Gäste waren am Mittwochabend in die Berliner Ullstein-Halle gekommen

In einer anschließenden, etwa 80-minütigen Gesprächsrunde diskutierten Unternehmer Patrick Adenauer, DDR-Forscher Stefan Wolle, Journalist Michael Naumann, Otto Schily und Peter Tamm über die Frage „Wie sehen wir Axel Springer heute?“. Moderiert wurde die Runde von Knut Teske, dem ehemaligen Leiter der Axel-Springer-Journalistenschule.

„Axel Springer zeichnete sich durch eine Prinzipientreue aus – eine politische Dickköpfigkeit, die ich heute oft vermisse“, fand Michael Naumann. Dem konnte sich auch Patrick Adenauer, ehemaliger Präsident einer Gemeinschaft von Familienunternehmen, anschließen: „Meiner Meinung nach ist es bemerkenswert, dass er politisch etwas bewegen wollte. Dies war ihm am Ende seines Lebens wichtiger als der Verlag. Solche Unternehmer gibt es heute kaum noch – es müssten sich wieder mehr Menschen einmischen.“

Stefan Wolle, der sich nach der Wiedervereinigung um die Auflösung des Ministeriums für Staatssicherheit gekümmert hatte, beleuchtete, warum Axel Springer in der DDR ein Feindbild war. „Der Wohnblock an der Leipziger Straße entstand nur als riesige Sichtblende zum Berliner Axel-Springer-Haus“, so Wolle. „Also noch eine Leistung von Axel Springer“, entgegnete Peter Tamm gut gelaunt, „die Leipziger Straße wurde also nur durch ihn wesentlich früher als eigentlich vorgesehen bebaut.“

Der ehemalige Weggefährte berichtete anschaulich vom Menschen Axel Springer und von der Zusammenarbeit mit ihm. Was es damals bedeutete, Morddrohungen zu bekommen und in Zeiten des linken Terrors nur mit Personenschutz das Haus verlassen zu können. „So ein Unternehmen könnte sich wie grüne Seife zwischen den Fingern auflösen. Aber wir waren ein tolles Haus, bei uns gab es Zusammenhalt, Axel Springer hat das ‚Wir’ geprägt.“

In der Schlussrunde konnte jeder Teilnehmer noch einen letzten Gedanken zu Axel Springer loswerden. Michael Naumann wünschte sich, dass Axel Springer noch leben würde – um mit ihm über das Feuilleton des HAMBURGER ABENDBLATTs zu diskutieren. Otto Schily betonte, dass er mit Axel Springer im Reinen wäre, Stefan Wolle dankte ihm für seinen Einsatz für die Menschen in der DDR. Patrick Adenauer hätte gerne erlebt, wie Axel Springer auf die Veränderung der Medienlandschaft durch das Internet reagiert hätte. „Es ist schade, dass er nicht mehr da ist, aber er hat Großes hinterlassen“, so Peter Tamm.

Friede Springer im Publikum, rechts neben ihr Alt-Bundespräsident Richard von Weizsäcker