Die gedruckte Antwort auf das Fernsehen




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Die gedruckte Antwort auf das Fernsehen

Axel Springer im Film „Ein Bild von BILD“ auf die Frage, was er sich 1952 dachte, als er die Bild-Zeitung schuf.

Natürlich habe ich mir eine ganze Menge dabei gedacht. Aber ich verhehle es nicht: Ich glaube auch, einiges vorempfunden zu haben.

Bild ist, wie der Titel ja sagt, ein Kind des optischen Zeitalters, aber dieses optische Zeitalter erfuhr eine Intensivierung in diesem Zeitraum, denn Ende 1951 startete das Deutsche Fernsehen, und es war meine Überzeugung und auch mein Wille, daß Bild darauf Rücksicht nehmen müsse.

Denn: Vom Mischungsverhältnis des Inhalts her und von der leichten Faßlichkeit des Inhalts ist Bild ja der traditionellen Zeitung viel fremder als dem Fernsehen.

Ich glaube wirklich, daß Bild die gedruckte Antwort auf das Fernsehen, auf die gesendete Zeitung ist.

Lassen Sie mich etwas philosophieren. Ich glaube, die ganz großen Erfolge, die aus dem Rahmen fallenden Erfolge, sind eigentlich immer nur dann zu finden, wenn man etwas erkannt hat, was man im allgemeinen noch nicht gesehen hat, und ich glaube, das ist bei Bild geschehen. Unsere phantasievolle Rechnung ging voll auf. Wir sind glücklich darüber, so daß wir denken, Bild wird, solange das optische Zeitalter anhält, den großen, phänomenalen Erfolg für sich weiterbehalten können.

Aber lassen Sie mich als Verleger und damit als Letztverantwortlicher für diese Zeitung noch etwas zur Politik von Bild sagen. Jedermann weiß, daß diese Zeitung nicht schüchtern ist, weiß, daß Bild gehalten ist, holzschnittartig zu formulieren. Das paßt einer Minorität von Ästheten nicht so recht, aber in toto kommt es glänzend an. Bild hat dem Volk ja auch aufs Maul geschaut. Aber bei allem Temperament folgt Bild jenen Maximen, die ich allen Blättern unseres Hauses gegeben habe. Und diese Maximen – ich darf sie noch einmal wiederholen – heißen:

  1. das Ziel der deutschen Wiedervereinigung
  2. die Aussöhnung von Juden und Deutschen
  3. die Absage an alles Totalitäre, ob es nun ‚braun’ oder ‚rot’ ist, und
  4. die heftige Verteidigung der sozialen Marktwirtschaft, von der ich glaube, daß sie in der Vergangenheit und auch in Zukunft Deutschland außerordentlich gut getan hat und weiterhin gut tun wird.